How To Please A Man
Wie aus einer visionären DVD die Suche nach einer verbundenen männlichen Sexualität wurde
Im heutigen Artikel geht es um etwas, das von Anfang an im Kern meiner Arbeit stand – lange bevor daraus eine Schule, Kurse oder Lehrgänge entstanden.
Denn der eigentliche Einstieg in diese Arbeit war nie einfach ein Beruf.
Es war – wie ich erst viel später wirklich verstand – ein Weg zurück zu mir selbst.
Zur Frage, wie Verbindung überhaupt entsteht: Verbindung zu mir, zu meinem Körper, zu meiner Lebendigkeit. Vieles davon hatte ich nicht gelernt. Manches vielleicht nie wirklich kennengelernt. Anderes schien ich auf dem Weg zum Erwachsensein bereits wieder verlernt zu haben. Und natürlich war da auch diese Sehnsucht: Sexualität nicht nur funktional oder aufregend zu erleben, sondern tiefer, lebendiger, lustvoller und vor allem entspannter.
Rückblickend erkenne ich: Die eigentliche Frage war nie nur, wie man einem Mann Lust bereitet.
Die tiefere Frage war immer:
Wie können Männer lernen, Sexualität wieder mit Körper, Herz, Verantwortung und Beziehung zu verbinden?
Mein persönlicher Einstieg in diese Suche begann über die Tantramassage.
Dort war meine Rolle zunächst relativ klar: die des Empfangenden. Eine eher passive Rolle. Ich empfing Berührung, doch gleichzeitig fiel mir etwas auf, das ich damals noch nicht vollständig benennen konnte: Wie wenig Ausdruck oft sichtbar war – in mir, aber auch in vielen anderen Männern in den Workshops. Wie still die Männer waren beim Empfangen. Wie wenig von dem, was innerlich geschah, wirklich nach außen fand. Erregung war da – aber oft blieb sie still, kontrolliert, fast zurückgehalten.
Dann hielt ich in einem Seminar bei Nhanga plötzlich eine DVD in den Händen: Fire on the Mountain von Joseph Kramer.
Bis heute sind diese Bilder lebendig in mir: Joseph Kramer im Smoking, vor einem riesigen goldenen Penis, wie er über seine Taoistische Erotische Massage spricht. Dieses Bild war zugleich skurril, mutig und auf eine besondere Art und Weise eben auch visionär – als würde jemand einen Raum betreten, den ich bis dahin weder kulturell noch innerlich wirklich betreten hatte. Doch noch viel mehr beeindruckte mich etwas anderes: Die Bilder dieser DVD unterschieden sich radikal von vielem, was ich bis dahin kannte.
Hier waren Männer nicht einfach passive Empfänger.
Hier war Lebendigkeit. Ausdruck. Bewegung. Stimme. Verletzlichkeit. Präsenz.
Diese Männer wirkten nicht wie Objekte einer Technik, sondern wie Menschen in einem intensiven, bewussten Erleben ihres Körpers.
Für mich als heterosexuell geprägten Mann war das zunächst irritierend. Meine bisherige Welt bestand vor allem aus heterosexuellen Massagebildern – Männer wurden von Frauen massiert, und die Vorstellung von Mann-zu-Mann-Berührung lag damals noch in weiter Ferne.
Und doch geschah etwas, das ich aus wichtigen Wendepunkten meines Lebens kenne:
Neben der Verwirrung war da plötzlich auch Faszination.
Eine innere Stimme sagte:
„Da möchte ich auch hin.“
Nicht im Sinne sexueller Orientierung – sondern im Sinne von Lebendigkeit. Freiheit. Verkörperung.
Und gleichzeitig tauchte eine größere Frage auf:
Was wäre, wenn Berührung zwischen Männern viel selbstverständlicher sein könnte – natürlicher, freier und weniger von kultureller Enge geprägt?
Dann entdeckte ich auf dieser DVD die Website von Sexological Bodywork und die Trainings in San Francisco.
Und genau dort begann eine andere Geschichte.
Eine Geschichte, die viele Jahre später in meiner eigenen DVD How to Please a Man münden sollte.
Denn irgendwann wurde mir klar: Ich wollte diese Lebendigkeit, diese Ausdruckskraft und diese Form von verkörperter Sexualität auch anderen Menschen zugänglich machen – insbesondere heterosexuellen Männern, die oft ähnlich geprägt waren wie ich. Männern, die vielleicht Lust suchten, aber nicht gelernt hatten, wie viel mehr ihr Körper ausdrücken, erleben und verkörpern könnte.
Ich wollte einen Film schaffen, der genau das sichtbar macht:
Dass männliche Sexualität mehr sein kann als Funktion.
Mehr als Technik.
Mehr als reine Erregung.
Dass Männer lernen können, sich emotional und körperlich tiefer auszudrücken.
Dass sie diesen Weg gehen können – wenn sie wollen.
Mit Roman fand ich dafür einen Menschen, der genau diese Qualität verkörperte. Einen wunderbaren Masseur und gleichzeitig einen Mann, der nicht einfach „so“ war, sondern diesen Weg selbst gegangen ist. Seine Fähigkeit zu empfangen, sich hinzugeben und gleichzeitig präsent zu bleiben, war kein Zufall – sondern Ausdruck eines Entwicklungsweges. Genau das wollte ich zeigen.
Und mit Ulrike und ihrer Produktionsfirma kam die zweite entscheidende Kraft hinzu: die Erfahrung, Professionalität und Offenheit, ein solches Projekt überhaupt möglich zu machen.
Wenn ich heute – über 15 Jahre später – auf diese DVD zurückblicke, berührt mich vieles daran noch immer.
Nicht, weil sie perfekt wäre.
Sondern weil sie Ausdruck einer meiner frühen Visionen war.
Der Vision, dass Männer vielleicht mehr sein könnten, als unsere Kultur ihnen oft erlaubt hat.
Verbundener.
Lebendiger.
Bewusster.
Und vielleicht beginnt genau dort die eigentliche Reise:
Nicht nur zu besserem Sex.
Sondern zu einer männlichen Sexualität, die wieder lernt, Körper, Lust, Herz und Bewusstsein miteinander zu verbinden.
Der Untertitel der DVD How to Please a Man lautete: „Was Männer wirklich wollen.“
Das war damals ein Marketingsatz der Produktionsfirma. Ein Satz, der Aufmerksamkeit erzeugen sollte.
Doch wenn ich heute darauf zurückblicke, würde ich selbst nie behaupten, wirklich zu wissen, was Männer wollen.
Denn eines ist für mich über all die Jahre immer klarer geworden:
Es gibt nicht „den Mann“.
Es gibt Männer.
Menschen. Individuen.
Jeder mit seiner eigenen Geschichte, seinen Prägungen, seinen Sehnsüchten, Ängsten, Fantasien, Verletzungen und Hoffnungen.
Gerade im Bereich von Sexualität und Beziehung geht oft vergessen, wie schnell wir Menschen in Gruppen einteilen und diesen Gruppen dann allgemeingültige Zuschreibungen machen. Männer wollen dies. Frauen wollen das. Doch so einfach ist es nicht.
Natürlich gibt es Tendenzen.
Als Sexualpädagoge sehe ich durchaus, dass sich je nach kultureller Prägung, Generation, Alter und sozialem Umfeld gewisse Muster zeigen. Ich beschreibe das gerne über eine Art Gaußsche Normalverteilung: Bestimmte Verhaltensweisen oder Themen treten in manchen Gruppen statistisch häufiger auf – ohne deshalb für alle zu gelten.
Ein Jugendlicher, der heute mit sozialen Medien, Pornografie, sexueller Vielfalt und offeneren Diskursen aufwächst, bringt oft andere Voraussetzungen mit als ein Mann, der ein oder zwei Generationen früher sozialisiert wurde.
Das bedeutet: Es gibt kulturelle Tendenzen.
Aber keine einfache Wahrheit über „den Mann“.
Wo genau die Grenze zwischen Biologie und Sozialisation liegt – zwischen Nature und Nurture – lässt sich letztlich nie eindeutig festlegen. Wahrscheinlich entsteht männliche Sexualität, wie jede menschliche Sexualität, immer im Zusammenspiel von Körper, Kultur und Erfahrung.
Emotionale Ausdrucksfähigkeit – ein zentrales Spannungsfeld
Nehmen wir ein Beispiel, das mir in meiner Arbeit immer wieder begegnet: emotionaler Ausdruck.
Viele Männer im deutschsprachigen Raum erleben es – zumindest in der Tendenz – als deutlich schwieriger, ihre Emotionen im Kontext von Beziehung und Sexualität offen zu zeigen.
Das zeigt sich in Workshops.
Das zeigt sich in Massagen.
Das zeigt sich im Atem. In der Stimme. In der Bewegung.
Frauen zeigen sich beim Empfangen häufig emotional sichtbarer. Nicht immer. Aber oft.
Viele Männer hingegen wirken stiller. Kontrollierter. Zurückhaltender.
Nicht unbedingt, weil weniger geschieht – sondern weil weniger davon Ausdruck bekommt.
Genau deshalb war Roman für manche Männer in How to Please a Man auch herausfordernd.
Seine emotionale Ausdrucksfähigkeit, seine Offenheit, seine sichtbare Lust widersprachen in gewisser Weise dem klassischen Bild dessen, was viele als „männlich“ kennengelernt haben.
Doch spannend ist: Männer können emotional sein.
Man sieht das zum Beispiel im Sport.
In Fußballstadien.
Bei Sieg, Niederlage, Ekstase, Frustration.
Dort schreien Männer. Weinen. Zittern. Jubeln. Nicht alle Männer – aber gewisse finden dort ihren Zugang zu ihren Emotionen.
Die entscheidende Frage ist also vielleicht nicht, ob Männer emotional sind.
Sondern:
Warum fällt es vielen Männern leichter, im Stadion oder anderen Kontexten emotional sichtbar zu werden als in intimen, sexuellen oder verletzlichen Räumen?
Stimme, Verletzlichkeit und Scham
Ein spannender Gedanke aus dem Buch Sex at Dawn beschreibt, dass man weltweit bei heterosexuellem Sex meist eher die Frauen hört als die Männer.
Das ist natürlich keine absolute Wahrheit – aber als kulturelle Beobachtung interessant.
Denn sobald ich meine Stimme zeige, zeige ich oft auch etwas Emotionales von mir.
Lust. Verletzlichkeit. Hingabe. Unsicherheit.
Und genau das ist für viele Männer bis heute ein heikler Punkt.
Mit meiner Stimme werde ich hörbar.
Mit meinem Ausdruck werde ich sichtbar.
Mit meiner Lust werde ich verletzlich.
Scham spielt dabei oft eine größere Rolle, als viele Männer gelernt haben wahrzunehmen.
Performance statt Präsenz
Hinzu kommt ein weiterer zentraler Bereich: Leistungsdruck.
Viele Männer tragen – unabhängig von sexueller Orientierung – tief verankerte Fragen in sich:
Steht mein Penis?
Komme ich zu früh?
Komme ich gar nicht?
Bin ich genug?
Kann ich mein Gegenüber befriedigen?
Diese Fragen verschieben Sexualität oft vom Erleben in die Selbstbeobachtung.
Weg vom Körper.
Hin zum Funktionieren.
Auch Roman sprach in der DVD offen darüber, dass beim Filmdreh die Frage aufgetaucht ist, ob seine Erektion da sein wird oder nicht – obwohl sie für die Qualität der Erfahrung gar nicht entscheidend sein muss und wir beim Dreh klar waren - wir gehen mit dem was im Moment passiert.
Genau hier zeigt sich, wie tief kulturelle Bilder von Männlichkeit wirken.
Was Männer wirklich wollen – vielleicht eine menschlichere Antwort
Vielleicht ist die eigentliche Frage also nicht nur, was Männer wirklich wollen.
Vielleicht lautet die tiefere Frage:
Wie können Männer – jenseits von kulturellen Rollenerwartungen, Scham, Leistungsdruck und erlernten Bildern von Männlichkeit – wieder in einen lebendigeren Kontakt mit sich selbst kommen?
In einen Kontakt mit ihrem Körper.
Mit ihrer Lust.
Mit ihrer Verletzlichkeit.
Mit ihrer Fähigkeit zu lieben – und sich lieben zu lassen.
Denn vielleicht liegt genau dort, unter all den gesellschaftlichen Zuschreibungen, Unsicherheiten und Strategien, etwas zutiefst Menschliches:
Die Sehnsucht nach Zugehörigkeit.
Nach Verbindung.
Nach Freiheit im eigenen Erleben.
Vielleicht beginnt verbundene männliche Sexualität genau dort:
Nicht bei der Frage, wie ein Mann funktionieren sollte.
Sondern dort, wo Männer sich selbst wieder bewusster spüren lernen.
Weniger als Rolle.
Weniger als Performance.
Weniger als kulturelles Ideal.
Sondern mehr als Mensch.
Und genau dort beginnt für mich auch die nächste, vielleicht noch spannendere Frage:
Wie könnte eine männliche Sexualität aussehen, die nicht primär von Druck, Funktion oder kultureller Enge geprägt ist – sondern von Körperbewusstsein, Präsenz, Beziehung und innerer Freiheit?
Genau dort beginnt der nächste Teil dieser Reise:
Die Frage, wie Männer lernen können, diese Vision nicht nur zu verstehen – sondern Schritt für Schritt zu verkörpern. Dazu mehr in einem weiteren Substack Artikel.
Noch ein Hinweis: Wenn dich diese Fragen rund um männliche Sexualität, Verkörperung und die Suche nach einer bewussteren Verbindung vertieft interessieren, gibt es mit meinem Vorort Vortrag/Online-Vortrag „How to Please a Man“ einen Raum, in dem ich genau diese Themen persönlicher, praktischer und differenzierter öffne. Dieser Vortrag richtet sich an alle Menschen welche sich vertieft mit dem Thema auseinandersetzen möchten.
👉 Erlebnisvortrag How To Please a Man
Nächstes Datum: Online am 1. Juni 2026 19 Uhr


